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[Buch] Göttinger Busgedichte – Christoph Gerhard

April 25, 2013

Was hab ich mit Göttingen am Hut???…wird sich mancher vielleicht fragen…Bücher mit regionalem Bezug sind nicht immer für ein großes Publikum geeignet, obwohl es, durch zum Beispiel viele Regionalkrimis, immer wieder gute Gegenbeispiele gibt. Christoph Gerhard, Autor und Wissenschaftler, zeigt mit seinem Gedichtband Göttinger Busgedichte, dass man auch Lyrik schreiben kann, die einen regionalen Bezug hat und dennoch für ein überregionales Publikum interessant ist.

Im ersten Viertel des gut 100-seitigen Bandes spielt die Stadt Göttingen samt ihrer markanten Orte, den Buslinien und natürlich den Menschen die zentrale Rolle. Natürlich muss man hier als Ortsfremder einiges Stirnrunzeln hinnehmen, aber dennoch versteht es der Autor durch flotte Reime und wechselnde Verskonstruktionen eine interessante Lektüre zu bieten. Der zweite Teil wendet sich thematisch mehr dem Busfahren und seinen Begleiterscheinungen zu. Hier werden Schlechtwetter, telefonierende Mitfahrer und Tagespolitisches sowie die Weihnachtszeit einbezogen. Dabei stehen nicht  Stadt oder busspezifische Themen im Vordergrund sondern eher der Gedankenprozess, den man bei seinen täglichen, langen wie auch kurzen Fahrten mit dem sogenannten ÖPNV durchlebt. Spätestens an dieser Stelle findet zumindest jeder Nutzer von Bus, Bahn oder U-Bahn einen Zugangspunkt zum Buch. Denn wer ist nicht schon mal ins vor-sich-hin-philosophieren geraten während man des Abends oder des Morgens sich durch die Gegend fahren lässt?? Der Autor bedient allerdings keine Gemeinplätze sondern vermittelt durch einen lockeren Stil und die ein oder andere Wendung im Laufe einzelner Gedichte, seine eigene Sichtweise.

Ähnlich, allerdings aus meiner Sicht inhaltlich und sprachlich noch besser, gestaltet sich der dritte Teil des Buchs. Hier entfernt sich Christoph Gerhard von Göttingen und nutzt mehr oder minder öffentliche Verkehrsmittel um Dienstreisen zu bestreiten. Natürlich lassen sich die Anekdoten und Gedanken nahezu jeder größere Reise übertragen. In erster Linie werden Vielreisender aller Art sofort schmunzelnd wissen von was der Autor hier schreibt… Die kleineren und größeren Episoden in diesem Abschnitt sind, wie der gesamte Gedichtband, im Übrigen auch hervorragend als Reiselektüre geeignet.

Und weil die Spannungskurve so schön linear nach oben verläuft wartet auch das vierte und letzte Kapitel mit einer Steigerung an Erzählqualität auf. Mit einem teils heiteren, teils ironischen Ton bringt der Autor dem Leser Natur- und Ingenieurwissenschaftliches und vor allem die kleinen Weisheiten seines eigenen Fachgebietes, der Optik, näher. So geht man also nicht nur mit gestärkten Lachmuskeln sondern auch noch mit dem ein oder anderen gar nicht so unnützen Wissen aus der Lektüre heraus.

Alles in allem gelingt Christopher Gerhard mit seinem als Göttinger Busgedichte zusammengefassten Band eine gute Zusammenstellung an Reisebegleitern, die nicht nur den lokal geschultem zu unterhalten vermögen, sondern durchaus als Reisebegleiter für ein breiteres Publikum taugt. Sprachlich sind die Gedichte nahezu alle auf einem hohem Niveau, wobei zu bemerken ist, dass dem Autor das Bilden längere Gedichte / Verse besser gelingt, als kürzerer.

Nichtsdestotrotz kann ich das Buch wärmstens empfehlen!

 

Christoph Gerhard

„Göttinger Busgedichte“

118 Seiten

CuvillierVerlag, 2012

ISBN:  978-3-954-04299-9

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