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[Buch] Der Literaturkongress – César Aira

September 27, 2012

Was ist eine naheliegende Aufgabe eines Schriftstellers? Richtig, die Weltherrschaft an sich reißen. So oder so ähnlich muss die Gedankenkette César Airas verlaufen sein, als er den Literaturkongress geschrieben hat.

Natürlich wäre es verkürzt nur dies zu behaupten. Allerdings wählt Aira diesen Grundgedanken zur Konstruktion seiner Geschichte. Der recht erfolgreiche Autor César macht sich mit jenem Hintergrund auf den Weg zu einem Literaturkongress nach Venezuela. Das Ziel für ihn ist, den Kongress zu nutzen um mit Hilfe der DNA eines erfolgreichen Autors (hier: Carlos Fuentes) einen überlegenen Klon zu erzeugen und damit nichts Geringeres als Die Weltherrschaft (TM) zu erlangen. Im Verlauf der teilweise recht blumigen Beschreibungen zur Vorgeschichte dieser Aktion wird dem Leser dann auch einiges über die Motive für diesen Plan klar.

Für César steht weniger das länglich bediente Klischee der Weltherrschaft im Vordergrund, sondern vielmehr das geistige Spannungsfeld von Intelligenz, Macht über andere Menschen und die Einordnung der eigenen Existenz in die Gesellschaft. Neben seiner literarischen Tätigkeit hat sich der fiktive Autor mehrere Jahre im Geheimen mit der Genforschung und dem Klonen von Zellen und Organismen beschäftigt. Dadurch hat er langsam begonnen über die Beziehungen und Abhängigkeiten von Menschen zu einander und den daraus resultierenden Hierarchien nachzudenken. In Konsequenz kommt er für sich zu dem Schluss, dass die plumpe Kopie (in seinem Fall eines Organismus) ohne geistigen Anspruch und Möglichkeit zur Weiterentwicklung bleibt. Die Kopie ordnet sich aus seiner Sicht lediglich unter wird also maschinengleich. Doch ist es womöglich eine Lösung statt irgendwen, einen Kreativen zu Klonen??? Nachdem César seinen Plan in die Tat umgesetzt hat, beginnt er beides seine literarische wie auch seine wissenschaftliche Tätigkeit zu reflektieren. Achso, logischerweise geht der Plan mit der Weltherrschaft auch nicht so ganz auf…

Natürlich ist die Übertreibung in Form des Weltherrschafts-Klon-Szenarios nur eine bewusste Krücke für das Gedankenexperiment Airas. Er arbeitet sich an den Themen Kopieren, Kreativität, Vorbilder und Technikglaube reichlich ab. Seine eigene Rolle auf den beiden (dafür konstruierten Seiten) reflektiert er dabei immer wieder exakt. Dabei fällt gar nicht weiter ins Gewicht, dass er eigentlich selbst zu keinem Résumé kommt. Am Ende des, mit 100 Seiten recht knappen, Buches bleibt nachdenklicher Leser zurück, der weiter über Kopieren, Kreativität und unser Verhältnis zum Fortschritt grübelt…

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