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[Musik] Covenant – Modern Ruin

März 9, 2011

Elektronische Musik wird meist sehr schnell in einige, wenige Schubladen geschoben. Entweder wird sie pauschal als „Techno“ abgetan oder dem Pop zugeordnet. Allerdings sollte man es sich, wie so oft, nicht allzu einfach machen. Gerade in den Bereichen der eher experimentell orientierten elektronischen Musik gibt es dutzende Spielarten mit allerlei Einflüssen und Ausprägungen.

Die schwedische Band Covenant ist eines der bekanntesten Beispiele für vielfältigen Elektro und vor allem für diverse Experimente. Mit „Modern Ruin“ haben sie kürzlich ihr bereits 8. Studioalbum veröffentlicht. Das war aber keinesfalls selbstverständlich. Schließlich liegen zwischen dem Vorgänger und dem aktuellen Werk nicht nur 5 Jahre, sondern auch eine fast-Bandauflösung, eine umfassende Neuorientierung der Band, eine Plattenfirmenpleite und nicht zuletzt eine umfangreiche Sinn- und Antriebssuche der Bandgründer Eskil Simonsson & Joakim Montelius. Erst der Ersatz für den ausgestiegenen Clas Nachmanson, Daniel Myer (Ex-haujobb) hat die Band wieder vorwärts gebracht, was unter anderem auf den Konzerten 2008/2009 schon live und auf einigen Demos zu hören war.Umso gespannter durfte man auf einen Album der aktuellen Formation sein.

Die ersten Töne, ein langsam blubberndes instrumentales Intro, verraten dann auch gleich den Grundcharakter des Albums; nämlich dunkel, geheimnisvoll und tiefgründig. Und so begibt man sich auf eine leicht schwermütige Reise, die immer wieder schwankt zwischen forsch vorangehenden und aggressiv anmutenden Stücken sowie langsamen, intensiv brodelnden Titeln. Eines haben dennoch alle gemeinsam, egal welches Tempo sie anschlagen und welcher Mittel sie sich bedienen, sie strahlen immer eine gewisse Energie aus. Sie erzeugen damit immer eine konstante Spannung, die den Hörer festhält. Solche Stücke sind zum Beispiel „The Beauty and the Grace“ und „Worlds Collide“. Auf der anderen Seite stehen kraftvolle Stücke wie „Judge of my Domain“ und „Dynamo Clock“.
Im Gesamten präsentiert sich das Album „Modern Ruin“ meiner Meinung nach als sehr feingliedriges, verzweigtes Werk. Eindeutig dabei ist, dass die Band einen großen Schritt weg vom eher eingängigen „Future Pop“ des Vorgängeralbums „Skyshaper“ macht und sich einerseits an ältere Werke wie „Europa“ anlehnt, aber auch gleichzeitig eine Weiterentwicklung vollführt. Das einzige Stück, was meiner Meinung nach etwas aus dem Rahmen fällt und musikalisch noch etwas in die poppige Richtung abdriftet ist „Lightbringer“.

Auch textlich manifestiert sich die angesprochene Weiterentwicklung, die musikalisch vorgegeben wird. So bleibt das Grundthema, dessen sich die Band schon länger angenommen hat bestehen. Die Einordnung des Menschen in die moderne, technisierte Gesellschaft und vor allem die Rolle des Einzelnen in dieser Gesellschaft. Im Gegensatz zu fertigen Visionen und Gedankenschlüssen arbeitet „Modern Ruin“ eher mit Ansetzen, Fetzen und bloßen Gedanken, aus denen sich jeder individuell ein zusammenhängendes Gebilde formen kann. Darauf deutet auch die Tatsache hin, dass es viel weniger eingängige Refrains gibt, die zum vorbehaltlosen mitsingen einladen. Es scheint viel mehr um die Vermittlung von Ideen zu gehen als um fertige Thesen. Eine sehr angenehme Eigenschaft des Albums.

Aus diesem Blickwinkel gesehen sind Covenant mit dieser Art Comeback ein riesen Schritt gelungen. Sie haben geschafft, was vielen nicht gelingt, sich weiterzuentwickeln und gleichzeitig einen eigenen Stil zu bewahren. Zu dem haben sie musikalisch wie auch textlich ein zeitgemäßes Album geschaffen, was sich vor allem durch Tiefgang und Bedacht auszeichnet.

Ein ganz klarer Tipp.

Tourdates in Deutschland:

14.04.2011 Duisburg, Pulp
15.04.2011 Magdeburg, Factory
16.04.2011 Dresden, Strasse E
22.04.2011 Frankfurt A.M., Batschkapp
23.04.2011 Hannover, Capitol
24.04.2011 Berlin, C-Club

07.07.2011 Amphifestival Köln, Tanzbrunnen

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