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[Kino] Bal – Honig

Januar 28, 2011

Ein Mann, ein Pferd, ein Wald….

Manch einem Film merkt man irgendwie mit der ersten Szene an, dass er nicht viele Worte verschwenden wird. Und dabei meine ich keineswegs einen Anfang ähnlich einer gewissen Autobahnpolizei-Serie im deutschen TV.
Mit seinem letztjährigen Beitrag zur Berlinale, Bal-Honig, liefert Regisseur Semih Kaplanoğlu einen derartigen Film ab . . .

Erzählt wird ein Ausschnitt. Nein, erzählt wird der entscheidende Ausschnitt aus der Kindheit eines kleinen Jungen.
Yusuf, so heißt der kleine, wächst in einem ziemlich abgeschiedenen Bergdorf in Anatolien auf. Außer seinen Eltern hat er nur wenige Kontakte zu anderen Personen. Zur Schule geht er zwar, ist aber ein Außenseiter, sehr schüchtern und ängstlich. Dennoch ist er sehr wissbegierig, neugierig und ehrgeizig. Besonders wenn er mit seinem Vater, dem Imker Yakup, in den Wäldern unterwegs ist blüht er auf. Er fängt an zu reden, Fragen zu stellen und die für ihn sehr geheimnisvolle Welt des Waldes zu erkunden. Der Vater ist dabei der Fixpunkt schlechthin. Er dient nicht nur als Quelle allen Wissens rund um den Wald und die Bienen, sondern schenkt dem Jungen auch als Einziger wirkliche Zuneigung. Währenddessen scheint die Mutter keinerlei Zugang zu ihm zu haben.
Sie strahlt eine kühle Strenge aus und fordert vom Jungen ständig. Ähnlich ist die Situation für Yusuf in der Schule. Selbst sein, durch entsprechende Belohnungen angespornter, Ehrgeiz  kommt relativ schnell zum Erliegen, da der Klassenlehrer statt wirklich zu fördern die Grundschüler nur zur Strenge erzieht. Dagegen bringt der Vater seinem Sohn Wissen eher beiläufig und spielerisch näher.

Als nach und nach die Bienenstöcke im dörflichen Umfeld kaum noch eine Ernte zulassen sieht sich Yakup gezwungen Erkundungen in anderen Gebieten anzustellen. In den kaum erschlossenen Wäldern und Tälern ist dieses Unterfangen allerdings nicht gefahrlos. Dementsprechend besorgt reagiert Zehra, Yusufs Mutter, als ihr Mann längere Zeit nicht zurückkehrt.
Sie macht sich mit ihrem Sohn auf die Suche.  Erfolglos. Den kleinen Yusuf trifft dieser Verlust des Vaters wohl am meisten. Er wirkt schlichtweg verloren, auf sich allein gestellt und hört daraufhin sogar gänzlich auf zu sprechen, gleichwohl er vorher schon wortkarg war. Dieser Verlust ist für den Jungen der schwerste Schlag in seinem alltäglichen Kampf mit dem Schulweg, der Schule und den Klassenkameraden, zumal er von seiner Mutter nicht annähernd die selbe Aufmerksamkeit bekommt.

An diesem Wendepunkt der Geschichte zeigt der Schauspieler Bora Altaş sein größtes Talent. Er spielt in wirklich beeindruckend, überzeugender Gestik und Mimik den kleinen Yusuf, wie es wohl kaum ein Erwachsener geschafft hätte. Er steht dabei stereotypisch für den ganzen Film der mit nur sehr sparsamen, teils sperrigen Dialogen auskommt und hauptsächlich durch die Bilder lebt.
Semih Kaplanoğlu zeigt hier ein hervorragendes Kino, dass mit Einfachheit und Bildlichkeit nicht nur die Dinge zeigt wie sie sind, sondern den Zuschauer ständig fordert. Trotz fehlender Action wird einem nie langweilig, weil man einfach immer mit Konzentration und Kombination dabei sein muss. Dieses Bild rundet der Ton des Filmes noch ganz gut ab. Es wird konsequent auf jegliche Hintergrundmusik verzichtet, da der Film einzig und allein von den Geräuschen der jeweiligen Umgebung lebt.

Diese ganze Konstruktion macht den Film zwar einerseits, wie schon beleuchtet, anstrengend, aber ebenso zu einem Erlebnis. Hier wird gerade auf Grund der Reduzierung viel Geboten und ein Film geschaffen der seines gleichen wohl nicht so schnell findet. Es werden die bis zum Äußersten getrieben Technikminimalisierung mit einer kritisch-interessanten Handlung  großartig kombiniert.

Das alles dürfte auch der Grund gewesen sein, weshalb der Film zu Recht den  Goldenen Bären auf der Berlinale gewonnen hat. Wie ich erst jetzt gelesen habe ist er wohl auch der abschließende Teil der so genanten  Yusuf -Trilogie,  mit der der Regisseur die Figur des Dichters Yusuf in drei Teilen rückwärts erzählt um sich mit der anatolischen Provinz auseinandersetzt.

 

Abschließend noch eines: unbedingt ansehen!!!!

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