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rundblick #4: Debatte, Netz und Zensur

August 14, 2010

Schon wieder ist  eine Woche vergangen und damit ist auch Zeit für einen weiteren Blick über den Rand dieses Blogs, sprich es ist Zeit für einen neuen Rundblick:

>> Ein Thema diese Woche, was Menschen und Medien beschäftigt hat,  war und ist das Bauprojekt Stuttgart21. Es steht in meiner Wahrnehmung in einer Diskussionslinie mit den bereits im rundblick#2 benannten Projekten an Elbe und Rhein.
Diesmal soll eben keine Brücke, sondern ein Bahnhof realisiert  werden. Doch jedes Mal geht es um  die Behandlung vorhandener Kultur im Kontext zum Fortschritts- und Verkehrsdrang unserer Gesellschaft.
Für mich persönlich gibt es bei diesen Diskussionen zwei wesentliche Aspekte, zwischen denen ich gespalten bin. Zum einen halte ich es für äußerst wichtig bestehende Kulturgüter  zu schützen und zu erhalten. Die Vergangenheit, die  dadurch symbolisiert wird, regt uns zum nachdenken und lernen an.
Zum anderen kann eine zu strikte Festhaltung an der Vergangenheit auch die Entstehung neuer Kultur behindern und bremsen. Aber es ist doch gerade die aktuelle, zeitgenössische Kultur, die ein Bild unserer Gesellschaft zeichnen kann. Erst durch die Reflexion in Kultur können wir uns unseres Zustandes bewusst werden, ihn begreifen. Welcher der beiden Punkte für mich den Ausschlag geben könnte ist sehr schwierig zu sagen . . .
Da es dabei nicht nur mir so gehen wird, denke ich, dass in der Planungsphase solcher Projekte nicht nur  faktisch und rational diskutiert werden sollte, sondern auch eine kulturelle Debatte eingeschlossen werden sollte. Auch auf die Gefahr hin, dass es einen großen Mehraufwand und ein Scheitern wahrscheinlicher erscheinen lässt.

>> Das wohl beste Medium zur Diskussion und Meinungsbildung, das  Internet steht in zwei Filmen im Mittelpunkt, die zurzeit anlaufen. Es handelt sich dabei um „8th Wonderland“ und „Summer Wars„.
Während sich erstgenannter mit der utopistischen Idee der Revolution  aus der/einer Internet-Commmunity beschäftigt, steht in „Summer Wars“ die Gemeinschaft der Familie im Mittelpunkt, die durch das Internet auf die ein oder andere Art beeinflusst wird.

Im  französischen Film  „8th Wonderland“ organisiert sich eine Internet-Commmunity ihre eigene virtuelle Demokratie, in der ein sehr hohes Maß an Freiheit garantiert sein soll. Mit spektakulären Aktionen und revolutionären Ideen versuchen sie, die etablierten Gesellschaften auszuhebeln. Dabei wird, zumindest bei all den Bildern, die die Trailer erahnen lassen viel auf den „Cyber“-Mythos mit entsprechenden Bildern von Videokonferenzen und herumfliegenden „Daten“ 😉  gesetzt. Auf den  ersten Blick scheint mir das ganze, ob nun gewollt oder nicht, ziemlich überspitzt und klischeebehaftet.

Im zweiten Streifen, den im Anime-Stil produzierten „Summer Wars“ steht neben einer Online Community vor allem die Familie, als klassischste Gemeinschaftsform im Vordergrund.  Während sich in der Welt von „Summer Wars“ virtuelles und reales nahezu komplett vermischt haben zu scheinen, in dem Menschen oft beziehungsweise hauptsächlich als virtuelle Avatar  agieren, bekommt die Familie die Rolle der Retterin in der Not. Als die schöne, neue, virtuelle Welt zusammenbricht und durch eine Virus zu scheitern droht, findet die Hauptfigur, Kenji, Halt und Unterstützung in der Großfamilie seiner Bekannten Natsuki. Auch in diesem Film wird wieder augenscheinlich mit diversen Klischees die virtuelle Welt dargestellt. Durch Umsetzung als Anime, wirkt das ganze rein bildlich, aber weniger übertrieben und überzeichnet. Dafür scheint die Geschichte recht einfallsarm zu sein.

Bleibt noch  die Frage, welchen dieser beiden Filme man sich ansehen sollte. Ich tendiere wohl eher dazu
wirklich beide zu sehen. Schon allein um dahinter zu kommen, warum aus den Berichten und Trailern ([1],[2]) dieser eine Grundtenor hervorkommt. Der Tenor, der durchweg negativen Kritik an der Beeinflussung des virtuellen Raumes auf die Realität.Schon weil ich der Meinung bin, dass dies eine schon leicht altbackene Kritik ist, die nur eine Wahrheit abbildet.
Aber vielleicht kann ja einer der Filme positiv überraschen.

>> Ärger gibt es derzeit ganz im Süden, in Konstanz. Dabei geht es eigentlich um eine Realität, die mindestens seit 1993  jedem bekannt sein dürfte.
Bekannt ist die Stadt unter anderem durch das, von 1414-1418 erfolgte Konzil. Diese kirchliche Zusammenkunft brachte nicht nur viel geistliches, sondern auch jede Menge lüsternes in die Stadt. Passend zu den etwas „dunkleren“ Seiten  des Konzils hatte der Künstler Peter Lenk bereits seine Statue Imporia errichtet, welche eine sehr leicht bekleidete Dame  des horizontalen Gewerbes mit den nackten Karikaturen eines Kaisers und eines Papstes auf dem Arm zeigt. Der Eklat war perfekt, Stadtrat  und Kirchen protestierten, konnten aber nur wenig ausrichten.
Nun hat der Künstler einen Nachguss der nackten Papstfigur für die Stadtinformation hergestellt und prompt gab es erneut Ärger. Diese haben dazu geführt, dass die Papstfigur nun wieder aus der Stadtinformation entfernt wird.
Ich frage mich bei dieser Sache: Wie peinlich kann man als Stadt eigentlich agieren? Das ist doch eine Zensur der Kunst- und Meinungsfreiheit vom allerfeinsten! Und nicht nur das! Es wird einfach versucht eine historische Realität auszublenden … ! Warum sieht man sich den auf Seiten der Stadt und der immer noch rückständigen Kirche nicht im geringsten Maß in der Lage sich auch mit unangenehmen Realitäten auseinanderzusetzen??? Was für die Stadt Konstanz peinlich ist, ist für unsere Kulturlandschaft traurig.
Gespannt bin ich auf die künstlerische Revanche von Peter Lenk, die hoffentlich mit mehr Charme und Witz aufwarten kann, als die Stadt- und Kirchenvertreter.

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