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umzug digital

Juli 27, 2010

Als am Wochenende ein Freund von mir umgezogen ist habe ich mich gedanklich auch mal mit dem Thema beschäftigt.


einpacken, umziehen, auspacken (von Larry Miller)

Mich hat vor allem der Fakt umgetrieben, dass man ja nicht nur als Mensch umzieht, sondern die gesammelte Kultur in Form von Büchern, Tonträgern aller Art, Kunst und allerhand anderem. All das wird zunächst gut verpackt, um am Bestimmungsort sorgsam ausgepackt, mal wieder genauer betrachtet und schließlich mehr oder minder liebevoll in der neuen Umgebung arrangiert zu werden.
Doch ist das längst nur die halbe Wahrheit. Im viel beschworenen digitalen Zeitalter schlummern bei vielen die Bücher nicht mehr im Regal sondern im e-Reader, Musik kommt nicht mehr als langerwartete physische Einheit sondern fließt quasi ständig aus der Datenleitung, na ja und Bilder bringt der digitale Bilderrahmen ins Haus.

Wie sehen sie denn dann aus? Die Umzüge der Zukunft, wenn wir einen Großteil unserer Kulturgüter dematerialisieren beziehungsweise digitalisieren? Ist der Einbau einer neuen Festplatte, das Wechseln des Webspaceanbieters oder die Einführung eines neuen Betriebssystems beziehungsweise einer neuen Software zukünftig der Umzug, den wir verarbeiten müssen? Macht das Umziehen als Vorgang in dieser Form überhaupt noch Spaß?

Natürlich stimmt es das die beschriebenen Digitalisierungen vieles vereinfachen können und den physischen Aufwand eines Umzuges deutlich reduzieren. Aber ich denke dennoch, dass es einen Teil des Spaßes nimmt.
Es ist doch klar, dass der Kontakt und die Beschäftigung mit Kultur auch immer in Bezug zu den Materialien und Medien der Kultur steht und durch den Genußvorgang entschieden geprägt wird. So lässt sich Musik, am schönsten als Konzert genießen oder bekommt durch die Wiedergabe einer Schallplatte eine Eigenart, Bücher haben Haptik und Geruch und auch Malerei, Photographie  und Comic lassen sich physisch ganz anders erleben, als virtuell. Vielleicht halten mich ja einige für rückständig wegen meiner Meinung, aber in Bezug auf die beschriebenen Dinge kann ich die Argumente für die Digitalisierung nicht gelten lassen. Kultur sollte auch weiterhin individuell (und physisch)erleben und genießen!

Ich hoffe also auch in Zukunft bei Umzügen noch Kisten mit Büchern, Tonträgern, Bildern und allem was man noch so haben kann, tragen zu können. Einfach des Spaßes wegen zu stöbern, die Dinge in die Hand zu nehmen und einen Platz für sie in einer neuen Umgebung zu finden.

Was ist eure Meinung dazu? Wie seht ihr die zunehmende Digitalisierung von Kulturgütern und unseren Umgang damit?

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