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liquides

Juli 20, 2010

In seinem Podcast „Chaosradio Express“ bespricht Tim Pritlove immer alternierend technisch, wie auch gesellschaftlich relevante Themen. Mit passenden Gästen zum entsprechenden Thema versucht er dabei stets ein umfassendes Bild zu zeichnen, dass einen Zuhörer dazu animiert tiefer in das  ein oder andere Thema einzusteigen.

Besonders spannend in letzter Zeit war der Beitrag zum Themenkomplex „Liquid Democracy / LiquidFeedback„.
Liquid Democracy bezieht sich auf die Ausübung des demokratischen Meinungs- und Entscheidungsbildungsprozesses in direkter Form. Das heißt der Teilnehmer eines solchen Prozesses hat die Möglichkeit sich direkt an der Klärung von konkreten Sachfragen zu beteiligen. Um dieses relativ komplex anmutende Konzept um zusetzten  sind  gewisse Werkzeuge zur Steuerung, Meinungsäußerung und schließlich zur Abstimmung von Nöten. Im Podcast wird aus diesem Grund ein konkretes System, Liquid  Feedback, vorgestellt. Das System wird derzeit vor allem im Umfeld der Piratenpartei genutzt, ist allerdings sowohl quelloffen, als auch skalierbar, sodass es sich auch für die Nutzung in  jeder anderen demokratisch arbeitenden Organisationsform nutzen lässt.

Durch dieses System  hat nun der Partizipant die Möglichkeit sich in allen Phasen der Entscheidungsfindung aktiv zu beteiligen beziehungsweise seine Meinung durch Delegation vertreten zu lassen. Im Vergleich zur indirekten Demokratie hat jeder die Möglichkeit sich an allen allen Entscheidungen konstruktiv zu beteiligen. Sollte man allerdings das Gefühl haben zu einzelnen Fragen nicht kompetent genug zu sein besteht die Möglichkeit jemanden, den man für fähig hält zu delegieren.

Das Konzept und vor allem das Werkzeug scheinen mir sehr interessant und fortschrittlich. Es ermöglicht eine sinnvolle Weiterentwicklung des demokratischen Denkens und Handelns. Dabei birgt es nicht nur Vorteile für den „Benutzer“, da er mehr aktive Beteiligung ausüben kann, sondern bringt es auch für die gewählten Amtsinhaber einer demokratischen Organisation Vorteile, da Entscheidungen einerseits breiter diskutiert werden und andererseits auch eine breitere Akzeptanz erlangen können, durch all jene Beteiligten, die sich mit einbringen konnten.

Wie erwähnt finde ich das Konzept sehr interessant und sinnvoll. Allerdings sollte man in einer Diskussion des Themas auch erörtern inwiefern und in welchem Umfang die Gesellschaft bereit ist solch weitreichende Entscheidungsmacht nutzen zu wollen. Ich persönliche vermute zunächst einmal, dass die Idee zwar auf positive Meinungen stoßen wird, aber in ihrer Umsetzung auch bei vielen zu Überforderung führen kann. Es ist bei alledem eben zu beachten, das Demokratie Arbeit und Engagement erfordert…nur eine Stimme abgeben zählt nicht.
Sollte sich diese Erkenntnis auf der ganzen gesellschaftliche Breite durchgesetzt haben sehe ich gute Erfolgsaussichten für eine derartige Implementierung, welche dem Demokraten eine deutlich größere Partizipation ermöglicht.
Außerdem sollte man diskutieren, welche möglichen Risiken entstehen können, wenn sich Personen oder ganze Gruppen an Entscheidungen beteiligen, von denen sie unter Umständen keine Ahnung haben. Natürlich eignet sich  auch dieses Konzept,  wie die indirekte Demokratie auch, zum Machtmissbrauch. So etwas lässt sich allerdings meiner Meinung nach durch das Engagement und die ehrliche Mitarbeit der „ganzen  Gesellschaft“ (Achtung: kein Phrase 😉 ) eingrenzen.

Ich möchte abschließend noch einmal jedem interessierten Leser empfehlen die Folge 158 des Chaosradio Express zu hören und sich selber eine Meinung zu dieser interessanten, aber auch komplexen Thematik zu bilden.
Im Übrigen sollte sich keiner von der Länge des Podcasts abschrecken lassen – das Thema ist nun einmal komplex, was die nahezu drei Stunden des Podcasts durchaus rechtfertigt. Aber wie gesagt: Demokratie macht Arbeit… und Spaß! = )

In diesem Sinne!

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