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Stefan Zweig -Schachnovelle-

Mai 5, 2010

Schach gilt als Denksport, als strategische Herausforderung des Gehirns in einer spielerischen, ja ungefährlichen Form. Keiner würde mit dem Spiel Wahnsinn und geistigen Kontrollverlust assoziieren.
Stefan Zweig hingegen nutzt in seiner „Schachnovelle“ das sogenannte Spiel der Könige als Rahmen für die Probleme und Traumata des Dr.B, eines österreichischen Emigranten.

B. gerät während des zweiten Weltkrieges in die grauenhafte Gefangenschaft durch die Nazis. Doch stand er als ehemaliger Mitarbeiter einer Anwaltskanzlei, welche sich mit Vermögensverwaltung kirchlicher Einrichtungen beschäftigte, besonders im Fokus der sogenannten Ermittler. Aufgrund des vermuteten Wissens wurde ihm kaum körperliche Folter zu teil, vielmehr wurde versucht ihn mit geistiger Folter dazu zu bringen das Vermögen der österreichischen Klöster zu verraten. Dazu wurde er nicht nur mit Verhören gequält, sondern vor allem durch eine komplette Isolation von der Welt mürbe gemacht. Ohne etwas zu sehen, zu hören, zu lesen oder auch nur den Kontakt zu anderen Menschen verschlechterte sich seine geistige Verfassung drastisch. Eine kurzzeitige Verbesserung konnte allerdings ein Heft mit berühmten Schachpartien sein, was er einem Aufseher abgenommen hatte. Innerhalb kürzester Zeit lernte er bekannte Partien auswendig und spielte sie nach. Aus Mangel an Schreibzeug spielte sich das alles in Gedanken ab und führte schließlich zu einer Besessenheit seines Geistes vom Spiel und den unzähligen, möglichen Zugvarianten. Nur mit Glück überlebte er diese Krankheit und die Gefangenschaft. Doch einige Jahre später auf  einem Passagierdampfer im Atlantik sitzt er  wieder (diesmal auch physisch) an einem Schachbrett…

Trotz des geringen Umfangs der Novelle und ihrer leichten Lesbarkeit sollte man sie keinesfalls unterschätzen. Stefan Zweig zeigt an einem eindrucksvollen, dramatischen Beispiel die Notwendigkeit einer Gesellschaft und vor allem der geistigen Vielfalt, ohne der menschliche Geist nicht nur Verkümmert sondern auch zu Grunde geht. Jeder der auf der nächsten Zugfahrt oder einfach am noch nichts zu lesen hat sollte dieses Buch zur Hand nehmen. Es lehrt uns mit nur wenigen Worten doch sehr viel über uns selbst.

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